Donnerstag, 20 März 2025 16:01

Bot-Betrug bei Online-Terminvergabe in München

Bot-Betrug in München Bot-Betrug in München Foto: pixabay

Die Nachfrage nach Terminen in den Bürgerbüros Münchens ist groß. Doch ein neuer Betrug sorgt für Ärger. Automatisierte Programme blockieren Termine, um sie anschließend gegen Geld zu verkaufen. Die Stadt reagiert mit Gegenmaßnahmen.

Inhaltsverzeichnis:

Bot-Betrug in Münchens Kreisverwaltungsreferat

Kriminelle nutzen automatisierte Programme, um Termine zu blockieren und weiterzuverkaufen. Die Online-Terminvergabe des Kreisverwaltungsreferats (KVR) wurde zum Ziel von Betrügern. Dabei werden verfügbare Termine mithilfe sogenannter Bots reserviert und anschließend auf verschiedenen Plattformen zum Kauf angeboten. Insbesondere ausländische Bürgerinnen und Bürger, die dringend auf einen Termin angewiesen sind, werden so zur Zahlung gezwungen.

Recherchen ergaben, dass Termine für rund 20 US-Dollar verkauft werden. Auf Plattformen wie Telegram und Reddit finden sich zahlreiche Angebote. Manche Dienste bieten kostenlose Hinweise auf freie Termine, doch viele sind kostenpflichtig. Besonders betroffen sind Notfalltermine der Servicestelle für Zuwanderung und Einbürgerung.

Stadtpolitik fordert Aufklärung und Maßnahmen

Die CSU/Freie Wähler-Fraktion im Stadtrat fordert Antworten. Seit wann ist die Stadtverwaltung über das Problem informiert, und warum konnte es nicht früher gestoppt werden? Fraktionschef Manuel Pretzl betonte, dass die Terminvergabe die Behördenabläufe erleichtern und nicht verteuern solle. Der Betrug schade dem Ansehen der Stadt München.

Das KVR bestätigte die Problematik. Laut einer Sprecherin wurden zuletzt rund 30 Termine pro Monat von Bots gebucht. Nicht alle Termine werden weiterverkauft, einige bleiben ungenutzt. Trotzdem stellt der Missbrauch ein erhebliches Problem dar.

Maßnahmen gegen den Missbrauch

Das KVR und das IT-Referat haben bereits Maßnahmen ergriffen. Die Buchungsplattform wurde mehrfach angepasst, um automatisierte Zugriffe zu erschweren. Dazu gehören:

  • Einführung und Anpassung von Captchas, um Bots zu blockieren
  • Sperrung bekannter IP-Adressen von Bot-Betreibern
  • Begrenzung der Buchungsmöglichkeiten für eine E-Mail-Adresse
  • Einschränkungen bei nachträglichen Datenänderungen, um den Weiterverkauf zu verhindern

Trotz dieser Maßnahmen passen sich die Betrüger immer wieder an. Weitere Optimierungen am Buchungssystem sind bereits in Arbeit.

Polizei und KVR gehen gegen illegale Angebote vor

Neben technischen Maßnahmen setzt das KVR auf aktive Ermittlungen. Illegale Angebote auf Plattformen werden gezielt gesucht und an die Polizei gemeldet. Der Verkauf von Terminen wird konsequent angezeigt.

Zusätzlich warnt das KVR seine Kunden direkt. Auf den Buchungsseiten und in den Wartebereichen gibt es Hinweise auf den Betrug. Zudem wurde eine Notfallhotline eingerichtet, um in dringenden Fällen Termine zu vergeben.

Skandal in der Ausländerbehörde überschattet die Situation

Die neuen Betrugsfälle kommen für die Stadtverwaltung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Erst kürzlich wurden mehrere Mitarbeiter der Ausländerbehörde wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Aufenthaltsgenehmigungen gegen Geld unrechtmäßig ausgestellt zu haben.

Fünf Personen kamen in Untersuchungshaft, eine wurde inzwischen freigelassen. Diese Vorfälle werfen zusätzliche Fragen über die Sicherheit und Integrität der Behörden auf.

Die Stadt München steht vor der Herausforderung, das Vertrauen in das Online-Terminvergabesystem wiederherzustellen und den Betrug endgültig zu stoppen.

Quelle: Hallo München, webrivaig.com/de