Inhaltsverzeichnis:
- Dr. Holger Seidl aus München warnt vor später Diagnose
- Professor Patrick Michl sieht Lücken bei der Vorsorge
- Ursachenforschung im Fokus neuer Studien
- Professor Franz Bader setzt auf Robotik
Dr. Holger Seidl aus München warnt vor später Diagnose
Privatdozent Dr. Holger Seidl vom Isarklinikum München erklärt, dass es bislang keine wirksame Früherkennung für Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt. Die Tumorerkrankung verläuft lange unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Symptome wie Gelbsucht, Gewichtsverlust, Schmerzen oder plötzlich stark erhöhte Blutzuckerwerte. Dann ist es oft zu spät für eine kurative Therapie. „Es gibt keine effektive Früherkennung“, sagte Seidl im Gespräch mit der Zeitung tz.
Nur ein kleiner Teil der Erkrankten kommt für eine Operation infrage. Selbst bei erfolgreichem Eingriff ist die Rückfallquote hoch. Deshalb sehen sich Ärzte gezwungen, auf palliative Therapien zurückzugreifen. Diese umfassen moderne Chemotherapien und neue Wirkstoffe auf Antikörperbasis. Dennoch leben Betroffene nach Beginn der palliativen Behandlung im Schnitt weniger als zwölf Monate.
Professor Patrick Michl sieht Lücken bei der Vorsorge
Laut Professor Patrick Michl von der Universitätsklinik Heidelberg ist die Bildgebung durch Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie nicht ausreichend. Die Bauchspeicheldrüse ist schwer zugänglich, eine sichere Diagnostik oft nur durch Biopsien möglich. Im Gegensatz zum Darmkrebs gibt es keine etablierten Vorstufen, die sich frühzeitig durch eine Spiegelung entdecken lassen.
Der Experte betont, dass es derzeit keine allgemeine Vorsorge mit nachgewiesenem Nutzen für die Bevölkerung gibt. Dennoch steigt die Nachfrage. Viele Patientinnen und Patienten fragen gezielt nach Möglichkeiten zur Vorbeugung. Dr. Seidl berichtet: „Viele Menschen haben Angst davor.“ Doch eine standardisierte Vorsorge existiert bisher nicht. Nur Personen mit familiärer Vorbelastung erhalten Empfehlungen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät diesen Menschen zu jährlichen MRT- oder Ultraschalluntersuchungen.
Ursachenforschung im Fokus neuer Studien
Professor Michl fordert neue Forschungsinitiativen zur besseren Identifikation von Risikofaktoren. Dabei geht es unter anderem um:
- Übergewicht
- Rauchen
- Übermäßigen Alkoholkonsum
- Diabetes
- Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
- Bestimmte Lebererkrankungen
Die Wissenschaft setzt auch auf Künstliche Intelligenz, um individuelle Risikoprofile zu erstellen. So könnten gefährdete Personen frühzeitig erkannt und regelmäßig untersucht werden. Ziel ist es, das kurze Zeitfenster zu nutzen, in dem der Tumor operativ entfernt werden kann.
Ein weiterer Ansatz ist die gezielte Aufklärung betroffener Familien. Wenn mehrere Angehörige ersten Grades an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind, besteht ein erhöhtes Risiko. In solchen Fällen helfen regelmäßige MRTs, Veränderungen rechtzeitig zu entdecken.
Professor Franz Bader setzt auf Robotik
Moderne chirurgische Methoden spielen eine immer größere Rolle bei der Bekämpfung des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Professor Franz Bader, Leiter der Viszeralchirurgie am Isarklinikum in München, verweist auf die Möglichkeiten der Robotik. Diese Technologien erlauben präzisere und schonendere Eingriffe.
„Hier helfen uns die Innovationen der modernen Chirurgie und der Robotik“, so Bader. Der technologische Fortschritt kann insbesondere bei früh entdeckten Tumoren entscheidend sein. Dadurch steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Operation. Trotzdem bleibt der Eingriff für viele Patientinnen und Patienten unerreichbar.
Die medizinische Gemeinschaft steht vor einer großen Herausforderung. Der Bedarf an neuen Methoden zur Früherkennung und Prävention ist dringend. Nur so können Betroffene künftig früher behandelt und ihre Überlebenschancen erhöht werden. Die Experten fordern deshalb konkrete Maßnahmen, neue Studien und eine stärkere gesellschaftliche Aufmerksamkeit.
Quelle: TZ, www.extratimeot.com/de