Freitag, 01 August 2025 12:45

Anstieg bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Früherkennung bleibt größte Herausforderung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Früherkennung bleibt größte Herausforderung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. pixabay/Foto illustrativ

Die Zahl der Neuerkrankungen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs steigt kontinuierlich. Experten aus München schlagen Alarm und fordern gezielte Maßnahmen zur Früherkennung und Prävention. Die Erkrankung gilt als besonders aggressiv. Jedes Jahr sind in Deutschland über 20 000 Menschen betroffen. Die Prognose bleibt trotz medizinischer Fortschritte schlecht. Nur rund 20 Prozent der Patienten können überhaupt operiert werden. Heilung ist selten. Schon in wenigen Jahren könnte Bauchspeicheldrüsenkrebs laut Wissenschaftlern zur zweithäufigsten Krebstodesursache nach Lungenkrebs werden.

Inhaltsverzeichnis:

Dr. Holger Seidl aus München warnt vor später Diagnose

Privatdozent Dr. Holger Seidl vom Isarklinikum München erklärt, dass es bislang keine wirksame Früherkennung für Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt. Die Tumorerkrankung verläuft lange unbemerkt. Erst im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Symptome wie Gelbsucht, Gewichtsverlust, Schmerzen oder plötzlich stark erhöhte Blutzuckerwerte. Dann ist es oft zu spät für eine kurative Therapie. „Es gibt keine effektive Früherkennung“, sagte Seidl im Gespräch mit der Zeitung tz.

Nur ein kleiner Teil der Erkrankten kommt für eine Operation infrage. Selbst bei erfolgreichem Eingriff ist die Rückfallquote hoch. Deshalb sehen sich Ärzte gezwungen, auf palliative Therapien zurückzugreifen. Diese umfassen moderne Chemotherapien und neue Wirkstoffe auf Antikörperbasis. Dennoch leben Betroffene nach Beginn der palliativen Behandlung im Schnitt weniger als zwölf Monate.

Professor Patrick Michl sieht Lücken bei der Vorsorge

Laut Professor Patrick Michl von der Universitätsklinik Heidelberg ist die Bildgebung durch Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie nicht ausreichend. Die Bauchspeicheldrüse ist schwer zugänglich, eine sichere Diagnostik oft nur durch Biopsien möglich. Im Gegensatz zum Darmkrebs gibt es keine etablierten Vorstufen, die sich frühzeitig durch eine Spiegelung entdecken lassen.

Der Experte betont, dass es derzeit keine allgemeine Vorsorge mit nachgewiesenem Nutzen für die Bevölkerung gibt. Dennoch steigt die Nachfrage. Viele Patientinnen und Patienten fragen gezielt nach Möglichkeiten zur Vorbeugung. Dr. Seidl berichtet: „Viele Menschen haben Angst davor.“ Doch eine standardisierte Vorsorge existiert bisher nicht. Nur Personen mit familiärer Vorbelastung erhalten Empfehlungen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät diesen Menschen zu jährlichen MRT- oder Ultraschalluntersuchungen.

Ursachenforschung im Fokus neuer Studien

Professor Michl fordert neue Forschungsinitiativen zur besseren Identifikation von Risikofaktoren. Dabei geht es unter anderem um:

  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Übermäßigen Alkoholkonsum
  • Diabetes
  • Chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Bestimmte Lebererkrankungen

Die Wissenschaft setzt auch auf Künstliche Intelligenz, um individuelle Risikoprofile zu erstellen. So könnten gefährdete Personen frühzeitig erkannt und regelmäßig untersucht werden. Ziel ist es, das kurze Zeitfenster zu nutzen, in dem der Tumor operativ entfernt werden kann.

Ein weiterer Ansatz ist die gezielte Aufklärung betroffener Familien. Wenn mehrere Angehörige ersten Grades an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind, besteht ein erhöhtes Risiko. In solchen Fällen helfen regelmäßige MRTs, Veränderungen rechtzeitig zu entdecken.

Professor Franz Bader setzt auf Robotik

Moderne chirurgische Methoden spielen eine immer größere Rolle bei der Bekämpfung des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Professor Franz Bader, Leiter der Viszeralchirurgie am Isarklinikum in München, verweist auf die Möglichkeiten der Robotik. Diese Technologien erlauben präzisere und schonendere Eingriffe.

„Hier helfen uns die Innovationen der modernen Chirurgie und der Robotik“, so Bader. Der technologische Fortschritt kann insbesondere bei früh entdeckten Tumoren entscheidend sein. Dadurch steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Operation. Trotzdem bleibt der Eingriff für viele Patientinnen und Patienten unerreichbar.

Die medizinische Gemeinschaft steht vor einer großen Herausforderung. Der Bedarf an neuen Methoden zur Früherkennung und Prävention ist dringend. Nur so können Betroffene künftig früher behandelt und ihre Überlebenschancen erhöht werden. Die Experten fordern deshalb konkrete Maßnahmen, neue Studien und eine stärkere gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

Quelle: TZ, www.extratimeot.com/de